Sicherheitsmagazin Heft 4/2004
Stalking" leitet sich vom englischen Verb „to stalk" ab, stammt eigentlich aus der Jagdsprache und bedeutet das Anpirschen, Anschleichen an das (Jagd-) Opfer. Im Deutschen wurde die Übersetzung „Psychoterror" gewählt.
Mit Stalking oder Psychoterror ist eine Vielzahl von Handlungen gemeint, die ohne Zustimmung und gegen den Willen einer Person bewusst und wiederholt gesetzt werden - mit dem Ziel, diese Person zu beängstigen, zu irritieren und zu etwas Bestimmtem zu zwingen.
Die Handlungen bestehen im Verfolgen, Warten vor dem Haus, der Arbeitsstätte, in Telefonanrufen - manchmal Hunderte in einer Nacht - oder SMS, im Verfolgen und Bedrohen von Freunden, der Familie, von Arbeitskollegen usw.
Was treibt diese Personen an? Vorweg: Die Mehrheit der Stalker sind Männer, 90 Prozent der Opfer sind Frauen. Oft sind Stalker dadurch getrieben, dass sie nicht wahrhaben wollen, dass eine Beziehung zu Ende ist. Der Psychoterror soll beispielsweise die Expartnerin/den Expartner zur Fortsetzung der Beziehung zwingen. Die Trennung bedeutete in vielen Fällen Macht- und Kontrollverlust und somit für jemanden, dessen zentrale Elemente in der Beziehung Machtausübung und Kontrolle darstellten, eine Schwächung des Selbstwertgefühls. Psychoterror lässt sich aus diesem Grund auch nicht durch ein klärendes Gespräch abstellen.
Die Folgen sind oft jahrelange Angst um das eigene Leben, das der Kinder oder des neuen Partners. Gesagt zu bekommen „ich finde dich immer - egal was du tust", wirkt sich auf Dauer auf die Lebensgestaltung, die psychische Befindlichkeit, die persönliche Freiheit aus, weil es im Gefühl der Betroffenen heißt: „Ich bin nirgends mehr sicher - egal wie ich mich verhalte, ich kann ihm wirklich nicht entkommen."
„In Österreich gibt es keine gesetzliche Grundlage, um gegen Stalking vorgehen zu können. Die gesetzliche Lage ist im internationalen Vergleich nicht befriedigend, und die Polizei hat keine Handhabe um einzuschreiten. Doch Stalking muss strafbar sein! Wir wollen, dass die Opfer - in der überwiegenden Zahl der Fälle Frauen - sich wehren können, dass sie Unterstützung finden, dass staatliche Behörden ein Instrument haben, um sie zu schützen.
Mir ist es ein wichtiges Anliegen, dass diese Lücke im Opferschutz geschlossen wird. Ziel muss daher sein, dass Österreich ein 'Anti-Stalking-Gesetz' erhält."
Mit der internationalen Konferenz „Psychoterror - du entkommst mir nicht" am 20. November 2003 im Wiener Rathaus, ist es uns gelungen, Bewusstsein für das Thema zu schaffen. Nun haben wir eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die die Grundlagen für ein Gesetz entwickeln soll.
Konferenzband: „Du entkommst mir nicht" - Psychoterror - Formen, Auswirkungen und gesetzliche Möglichkeiten.
Erhältlich über Anfrage an: frauennotruf@m57.magwien.gv.at oder Telefon: 01/4000-83546.
Mag. Renate Brauner,
Stadträtin für Gesundheit in Wien
Auch Uschi Glas schildert in ihrem Buch „Mit einem Lächeln“ von der Verfolgung durch einen Stalker.
Uschi Glas Auszug:
Der Mann verlegte sich zunächst aufs Briefeschreiben und schickte mir komisches Zeug. Dann verfolgte er mich weiter, ohne dass man ihn für irgendetwas hätte zur Rechenschaft ziehen können. Manchmal hörte und sah ich monatelang nichts von ihm, dann tauchte er plötzlich wieder auf. Dann passte er mich einmal ab, als ich gerade Benjamin vom Kindergarten abholte.
Das versetzte mich weit mehr als alles andere in Panik, denn jetzt schien mir Benni unmittelbar bedroht. Er hatte mich völlig eingekreist, es gab keinen Bereich meines Lebens, der vor ihm sicher war, überall war er, beobachtete mich und hatte es in der Hand, mein ansonsten harmonisches Leben völlig aus dem Gleichgewicht zu bringen. Und jetzt lag dieser Schatten auch noch auf meinem Kind. Es war unerträglich.
Ich wurde davon wach, dass jemand an die Milchglastüre meiner Garderobe klopfte. Es war erst halb sechs. Schon wollte ich sagen, dass die Uhr des Portiers wohl falsch ginge, als ich durch die Scheibe erkannte, dass es gar nicht der Portier war, der da draußen stand. Es war unverkennbar die Silhouette meines Verfolgers. Die Tür war zwar verschlossen, aber nichts leichter, als das Milchglas einzudrücken. Der Mann sagte: "Uschi, lass mich rein, mach auf."
© 2004 bei Uschi Glas und Droemer Verlag,
entnommen aus Uschi Glas „Mit einem Lächeln“
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